A Deeper Shade of VIOLET – “Auf der Suche”

quotefancy-3048-3840x2160Über diese Geschichte könnte ich sooooo viel schreiben. Aber ich will euch ja nicht stundenlang aufhalten – daher konzentriere ich mich auf das wesentliche. Oder versuche es zumindest 😉

Da Violett meine zweite persönliche Lieblingsfarbe (nach Blau) ist, musste unbedingt eine gute Geschichte her. Das war von Anfang an klar. Weniger klar war dagegen, was es für eine Geschichte sein sollte. Meine vorherigen Ideen hatten alle auf einem starken Bild aufgebaut, etwas in dieser Farbe, das dann eine wichtige Rolle spielte. Bei Weiss war es die Wand, bei Gelb der Schal, und bei Rot – wenig überraschend – Blut.

Bei Violett allerdings hatte ich zunächst keine zündende Idee. Also begann ich darüber nachzudenken, was diese Farbe für mich persönlich bedeutet, und welche Verbindungen mir spontan einfielen. Das waren dann vor allem drei:

  1. Violett gilt als Farbe der Magie
  2. den Übergang von Tag zu Nacht bezeichnet man manchmal als “violette Stunde”
  3. Violett ist eine Mischung aus den Farben Blau und Rot

c802a7f72a1c1b26e5eaf2da575aff88Wie man sieht, alles sehr naheliegend und pragmatisch. Und doch haben alle drei Aspekte zum Endresultat beigetragen: Aus dem ersten entstand die Idee, dass es sich beim Genre um Fantasy oder Märchen handeln sollte. Der zweite Aspekt beeinflusste den Hintergrund, der dritte den Aufbau.

Und dieser Aufbau hatte es in sich, wie ich weiter unten noch erklären werde.

Ja, ich gebe es zu: Violett war die Geschichte, die bis jetzt von allen am anstrengendsten war. Die, die mich am meisten Nerven gekostet hat, und für die ich am längsten gebraucht habe. Vielleicht gehört sie gerade deshalb auch zu meinen Lieblingen in der Farbspiel-Serie.


Erst mal ein paar Eckdaten:night-sky-523892_960_720

Titel: Auf der Suche

Genre: Märchen/Fantasy

Themen/Stichworte: Suche, Entscheidung, Freundschaft/Liebe, Vernunft/Gefühl, Traum/Wirklichkeit.

Länge: 11 Seiten

Tagline: Es ist nicht nur wichtig, wonach man sucht, sondern auch, was man dabei findet.

Pitch: Der junge König Etienne sucht Antworten auf die Fragen, was einen guten Herrscher ausmacht und wie dieser Entscheidungen treffen soll, und hofft, dabei noch etwas anderes zu finden.


Warum war Auf der Suche so schwer zu schreiben?

anemone-1533515_1280Irgendwie war der Titel für mich Programm. Ich befand mich bei der Arbeit an dieser Geschichte ständig auf der Suche: nach einer Idee, nach einem Konzept, nach passenden Namen für die Figuren, nach dem perfekten Aufbau. Und manchmal zweifelte ich daran, dass ich überhaupt etwas finden würde.

Wie oben bereits erwähnt war schnell klar, dass das Genre im Bereich Fantasy oder Märchen anzusiedeln sein sollte. Ungewöhnlich für mich, da ich sonst höchstens den Bereich Historical Fantasy streife und so gar keine Märchen verfasse. Daher kommen die dafür typischen Elemente in meiner Geschichte auch sehr subtil daher; und vieles kann sowohl übernatürlich als auch ‘wirklich’ oder ‘real’ interpretiert werden.imag0412

Trotzdem bezeichne ich die Geschichte als Märchen, denn sie hat mit diesem Genre zwei wichtige Dinge gemeinsam: zum einen eine Botschaft, die bei Lesen ersichtlich wird – die ‘Moral’, sozusagen – und zum anderen den sehr exakten Aufbau, der diese Botschaft unterstreicht.

Und genau dieser Aufbau hat mich sehr, sehr viel Zeit gekostet.

Ich wollte ihn perfekt haben, ohne eigentlich wirklich zu wissen, was ‘perfekt’ für mich sein würde (man muss ja schliesslich Ansprüche haben 😉 ). Dafür habe ich sogar an einem Punkt angefangen, mit Karteikarten zu arbeiten  – etwas, das ich bei der Planung von Romanen so gut wie immer mache, aber nie bei Kurzgeschichten – um das ‘richtige’ Muster zu finden, die richtige Mischung aus den drei ‘Flussszenen’ (von denen zumindest zwei klar als Traum zu erkennen sind), den Erinnerungsstücken und den Ereignissen im ‘Jetzt’.

Ausserdem ist der Aufbau eines Märchens oft dreiteilig (drei Tage, drei Aufgaben, drei Personen) – daher spielt auch in meiner Geschichte die Zahl drei immer wieder eine Rolle.


Wer genau sind die beiden Figuren?

Auf der Suche ist eine Ausnahme in mehr als einer Hinsicht. Es ist nicht nur mein einziges Märchen für die Farbspiel-Reihe, sondern auch die erste Geschichte, bei der die Figuren nicht aus einem Romanprojekt oder einer älteren Idee stammten. Ich habe mir die beiden Protagonisten erst und ausschliesslich für diese Geschichte ausgedacht.

king-1304612_1280Und im Gegensatz zu den Figuren vieler anderer Farbspielgeschichten haben sie auch Namen, die man in diesem Fall sogar als sprechende Namen interpretieren könnte:

Etienne ist eine französische Variante von Stefan, ein Name, der im griechischen Original “der Gekrönte” bedeutet. Passenderweise ist er ein Prinz, der durch den Tod seines Vaters vor kurzem selbst zum König geworden ist. Er ist der eigentliche Protagonist der Geschichte, der sich auf der titelgebenden Suche befindet.

swan-1229503_1280Morgan ist ein Name keltischen Ursprungs (wahrscheinlich walisisch oder irisch), dessen Bedeutung etwas mit ‘Meer’ oder ‘Wasser’ zu tun hat  – und dieses Element spielt eine besondere Rolle in der Geschichte.

Das Besondere ist auch, dass der Name keinem bestimmten Geschlecht zugeordnet ist – es könnte sich sowohl um eine weibliche wie auch um eine männliche Figur handeln. Das ist allein eurer Interpretation als Leser überlassen, denn Morgan wird an keiner Stelle mit ‘er’ oder ‘sie’ bezeichnet und nie eindeutig einem Geschlecht zugeordnet.

Alles, was wir über Morgan erfahren, lernen wir aus Etiennes Erinnerungen. Danach handelt es sich um ein Kind eines besiegten Volkes, das von Etiennes Vater an den Königshof gebracht und dort aufgezogen wurde (solche “Geiselnahmen” waren unter anderem bei den Römern üblich). Etienne und Morgan verbindet eine enge Freundschaft; ob es später auch mehr als das ist, bleibt dem Leser überlassen.


Auf der Suche – wonach?

laguna-768650_1280Etienne befindet sich zu Anfang ganz klar auf der Suche nach einer Antwort auf die Fragen, wie er der Rolle als König gerecht werden kann und wie er die richtigen Entscheidungen treffen soll – beides Dinge, mit denen er klar überfordert ist.

Bereits sehr früh wird jedoch auch angedeutet, dass er ausserdem nach einer bestimmten Person sucht, die er verloren hat.

Der Fluss schien Etiennes Blick magisch anzuziehen. Während er mit den Augen den Wellen und Strudeln folgte, arbeitete sein Verstand verbissen daran, die bestmögliche Antwort zu finden. Schließlich entschied er sich für die Wahrheit, eine einfache Version davon zumindest. „Ich suche etwas.“

Etwas, oder jemanden? Er hörte die Frage so deutlich, als hätte sie der Andere bereits ausgesprochen, aber sein Begleiter blieb stumm.

Man kann sich nun fragen, ob dies zwei verschiedene Suchen sind, oder – wie durch den Titel in der Einzahl angedeutet – letztlich ein und dieselbe. Denn schliesslich hat Etienne Morgan auf Grund einer falschen Entscheidung verloren, und eine Besserung in diesem Punkt ist wohl aus seiner Sicht der einzige Weg, das wiedergutzumachen und eventuell Morgan wiederzufinden.


Rot und Blau – Verstand und Gefühl

red-rose-320868_960_720Weiter oben habe ich bereits erwähnt, dass Märchen typischerweise eine Botschaft beinhalten. Diese Botschaft wird oft nicht in direkten Aussagen (“Es ist gut, anderen helfen.”), sondern in Bildern vermittelt (der Held der Geschichte hilft jemandem, und wird später dafür belohnt). Etiennes Träume sind ein gutes Beispiel dafür, denn dass die beiden Figuren, denen er begegnet, in symbolischer Weise für ‘Verstand’ und ‘Gefühl’ stehen, ist sehr einfach zu erkennen.

Nicht nur die Farbe der jeweiligen Kleidung (rot bzw. blau), sondern auch eine ganze Reihe weiterer Details weisen darauf hin:

  • die Tageszeiten:  Sonne und Tag – ja Licht generell – wird mehr mit dem Verstand assoziiert (was sich in Wörtern wie ‘Aufklärung’ oder ‘Erleuchtung’ wiederspiegelt), die Nacht und der Mond dagegen mit dem Gefühl.
  • das Wasser: in Etiennes erstem Traum ist kalt (ein klarer Verstand oder kalte Berechnung), im zweiten dagegen warm (eine Temperatur, die wie Hitze mit Gefühlen in Verbindung gebracht wird).
  • die Tiere: Etienne begegnet zuerst einem Fuchs, einem Tier, das für Schlauheit und Listigkeit steht, später dann einer Katze – einer kleineren Version des Löwen, Sinnbild für Loyalität und in weiblicher Form für Mutterliebe.

rose-165819_1280Interessant ist auch, dass Etienne bei beiden Begegnungen sein Gegenüber nicht wirklich einschätzen kann und sich an einem Punkt unsicher wird, wen er wirklich vor sich hat.

Bei der ersten Person verursacht das Alter diesen Konflikt:

Verstohlen schielte er zu dem Mann in Rot herüber, um in seinem Gesicht lesen zu können. Er konnte nicht viel erkennen, fragte sich aber plötzlich, wieso er ihn für älter gehalten hatte. Seine Haut wirkte glatt, und die schwarzen Haare zeigten keine grauen Strähnen. War er womöglich doch nicht älter als Etienne selbst?

Bei der zweiten ist es das Geschlecht:

Seltsam, je öfter er hinsah, desto unsicherer wurde er, ob er wirklich mit einer Frau sprach. Dabei konnte er das Gesicht nach wie vor kaum erkennen.

Es ist eine Anspielung darauf, dass Weisheit und Klugheit für gewöhnlich eher mit dem Alter assoziiert wird, und Gefühle eher mit dem weiblichen Geschlecht. Schlechte Karten also für Etienne, da beides auf ihn nicht zutrifft. Doch dadurch, dass sich die Figuren quasi ‘auf ihn zu’ entwickeln (Person 1 erschein auf einmal jünger, Person 2 könnte eventuell doch männlich sein) wird angedeutet, dass man keinen Vorschriften entsprechen muss, um die entsprechenden Eigenschaften verkörpern zu können.


Wofür steht das Violett?

rose-428881_1280So, jetzt kommen wir endlich zur eigentlichen Farbe der Geschichte.

Ein Ausgangspunkt war ja, dass Violett eine Mischung von blau und rot ist; und somit im Sinne der ‘Moral der Geschichte’  natürlich für eine Verbindung von Verstand und Gefühl steht, also für die Lehre, die Etienne (und damit vielleicht auch der Leser) mit auf den Weg bekommt: ein guter Herrscher oder eine weise Entscheidung ist dadurch gekennzeichnet, dass Verstand und Gefühl gleichermassen berücksichtig werden.

Zum anderen ist Violett aber auch die Farbe, die Morgan zugeschrieben wird, und das dreimal im Laufe der Geschichte. (Ich hatte ja angedeutet, dass die Zahl drei eine Rolle spielt 😉 )

Einmal in Verbindung mit den Augen und dem ersten Eindruck, den Etienne von dem ‘neuen Kind’ hat:

Große runde Augen, grau wie Flusskiesel. Ernste Augen. Viel zu erwachsene Augen. Manchmal war es, als läge ein violetter Schimmer darin, ein weiches Leuchten, das niemand außer Etienne zu sehen schien.

Das zweite Mal in der Szene, als Morgan von Etienne sehr enttäuscht ist (und in der es auch um ein Kind geht, dass ein ähnliches Schicksal wie Morgan erleidet):

Schmutz und Wasser drangen bereits in den violetten Stoff, doch Morgan schien es weder zu spüren noch zu kümmern.

Durch die eher beiläufige Erwähnung könnte man schliessen, dass Morgan häufig violette Kleidung trug. Dies ist auch bei der dritten Erwähnung der Fall, als sich die beiden das letzte Mal gegenüberstehen:

Der violette Stoff raschelte, als Morgan sich umdrehte.


Und was geschieht am Ende?

drain-258302_1280Ein offenes Ende ist natürlich immer ein Risiko. Manche Leser schätze es sehr, sich einen ‘eigenen’ Ausgang überlegen zu können, andere mögen gerade das überhaupt nicht.

Allerdings ist ohnehin vieles in dieser Geschichte davon abhängig, wie es der Leser bewertet und auslegt – warum solle es dann nicht auch das Ende sein?

Die Hauptfrage, die sich dabei durch die ganze Geschichte zieht, ist “Was ist hier eigentlich real?”.

Ein Bespiel dafür sind die verschiedenfarbigen Rosen, die an zentralen Stellen auftauchen und sozusagen eine Verbindung zwischen Traum und Wirklichkeit schaffen. Sind diese Blumen echt, oder nur eingebildet? Wenn sie lediglich Etiennes Phantasie entspringen, sind sie dann ein tröstliches Zeichen oder ein Hinweis darauf, dass Etienne halluziniert, eventuell sogar dabei ist, den Verstand zu verlieren? Und sind die Blumen real, stellt sich die Frage, woher sie kommen. Manifestation von Wünschen und Träumen, also Magie? (Im Märchen wäre das ja nicht abwegig …) Oder gibt es jemanden, der diese Blumen gezielt platziert? Sind sie Manipulation von Etiennes Gedanken, oder eine geheime Botschaft an ihn? Steckt eventuell sogar Morgan dahinter?

Hier könnte man sich auch fragen, ob Morgan eine real existierende Person ist, oder so etwas wie ein eingebildeter Freund. Schliesslich klingt Etiennes Kindheit sehr einsam; es werden zwar Spielgefährten erwähnt, aber – ausser Morgan – keine engen Freunde.

“Moment”, könnte man jetzt entgegen, “Immerhin diskutiert Etienne ja mit seinem Vater.” Das ist richtig, allerdings ist das eine Erinnerung von Etienne, und könnte auch genauso gut eine Einbildung sein.

Wenn wir allerdings davon ausgehen, dass Morgan eine wirkliche Person ist, so müssen wir uns auch fragen, was genau nach der Abschiedsszene passiert. Immerhin ist die Kritik an einem König ein schweres Verbrechen, das mit Verbannung oder gar mit dem Tode bestraft wird. Letzteres würde ein reales Wiedersehen unmöglich machen; zumindest, wenn die Welt der Geschichte den Regeln der echten Welt folgt. In einer Märchenwelt wäre natürlich alles möglich.

Was uns zu der Frage zurückführt, wie das Ende zu interpretieren ist. Hier muss man sich zunächst überlegen, ob es sich wieder um einen Traum handelt. Dafür spräche, dass die Szene genau wie die beiden Träume beginnt, nämlich mit

Als er an den Fluss kam, …

Auch die Tageszeit (Abend) und die Wassertemperatur sind quasi eine Mischung aus den vorangegangenen Träumen, so wie violett eine Mischung aus rot und blau ist. Andererseits könnte man aber auch zu dem Schluss kommen, dass es den Ort in Etiennes Traum wirklich gibt, dass Etienne ihn vielleicht sogar erkannt und sich nun entschlossen hat, ihn wirklich aufzusuchen.

sunset-1529139_1280Interessanterweise spielt die Antwort auf diese Frage (“Traum oder nicht?”) jedoch nur eine untergeordnete Rolle, wenn man wissen möchte, ob Etienne Morgan am Ende wiedersehen wird. Denn sowohl im Traum als auch in der Realität sind beide Möglichkeiten offen.

Das klassische Happy End wäre natürlich, wenn die letzte Szene real wäre und sich die beiden wirklich wiedersehen würden. Sogar ein “und sie lebten glücklich bis an ihr Lebensende” läge dann im Bereich des Möglichen.
Dem gegenüber stünde ein düsteres Ende, nämlich die Erkenntnis, dass Morgan nicht da ist, nicht da sein kann, weil der Streit um Etiennes Fähigkeiten als König in Verbannung oder in Tod geendet hat. Oder, etwas abgemildert, dass Etienne einsehen muss, dass sich manche Fehler nicht wiedergutmachen lassen. Oder – noch abgemilderter – dass er weiter suchen muss.

Auch im Traum wäre ein solches ‘unversöhnliches’ Ende möglich; genauso wie ein Wiedersehen – und das sogar, falls Morgan in Wirklichkeit tot sein sollte. Letzteres hätte dann einen leicht bitteren Beigeschmack, da es sich ja ‘nur’ um einen Traum handelt. Und es gäbe ebenfalls eine positive Variante: wenn sich schon die Rosen aus dem Traum in die Wirklichkeit bringen lassen, vielleicht wäre dies dann auch mit Morgan möglich? Schliesslich ist es ein Märchen.

Wie man sieht, ist vieles offen für die ganz persönliche Interpretation – ihr werdet als Leser genauso auf die Suche geschickt wie der Protagonist. Die Suche danach, was die Geschichte für euch persönlich bedeutet.


Bonus: Soundtrackframe-1533523_1280

Da ich meine Szenen oft wie kleine Filmsequenzen vor meinem inneren Auge sehe, und da nichts Stimmung besser transportiert als Musik, gibt es eigentlich für jedes noch so kleine Projekt eine Soundtrackliste.

Hier gibt es ein Lied, dessen Stimmung (zum Teil auch der Text, je nach Interpretaion) für mich perfekt zur Geschichte passt:

Dami Im, Sound of Silence

(Und ja, das war der australische Beitrag zum Eurovision Song Contest 2016)


Dir ist noch etwas aufgefallen? Du möchtest von einer eigenen Geschichte erzählen? Du hast eine ganz andere Interpretation, oder eine Frage? Toll, dann schreib mir doch einen Kommentar. Ich würde mich freuen 🙂


Hier gehts zurück zur Übersicht.


Quellen der verwendeten Bilder:

Paolo Coelho Zitat: quotefancy.com
Karteikarten: eigenes Bild
alles andere: pixabay

5 thoughts on “A Deeper Shade of VIOLET – “Auf der Suche”

  1. Wieder eine faszinierende Geschichte aus Deiner Farbspiel-Dichtung, so einfühlsam und ausführlich dem Leser dargestellt, wie ich es kaum bei anderen AutorInnen gelesen habe (Mika Krüger ausgenommen)! So kommt man/frau richtig rein in die von Dir beabsichtigte Gefühlswelt. Nun, Farben eignen sich dafür ja besonders, aber wohl nicht jeder Schreiber oder auch Leser, empfindet das sooooo tief, wird davon so in die Geschichte mitgenommen, so wie ich, der ich ein reiner ‘Farbenmensch’ bin. Farben beeinflussen die ganze Skala meines Empfindens, von rauschhaft, euphorisch, bis beruhigend oder auch -selten – zur Unruhe bis Depression.

    Insofern beschäftigt mich dein ‘A deeper shade of violet’ in sehr angenehmer Weise – und dazu fallen mir viele Erinnerungen, eigene Geschichten ein. Vielleicht komme ich noch mal zu diesem Thema mit einem Kommentar hier zurück.Hier aber erst mal nur meine Begeisterung und Hochachtung für Dein Talent. Lieben Dank!

    Jetzt erst mal herzlichen Dank, dass Du uns wieder was Schönes zu lesen geschenkt hast. Es lohnt sich immer wieder, auf deine posts zu zu warten! Ich denke, wer einmal von Dir gelesen hat, weiß wie viel Mühe Du Dir machst, wie fein und genau Du Deine Beiträge ausarbeitest, bevor Du sie uns anbietest.

    Liebe Grüße
    Roland

    Liked by 1 person

    • Lieber Roland,

      Zunächst mal weiss ich gar nicht, was ich sagen soll … vielen VIELEN Dank für deinen ausführlichen Kommentar und deine netten Worte 🙂

      Es bedeutet mir sehr viel.

      Ich kann bei Kurzgeschichten oft nicht anders als diese komplett zu ‘über-denken’ (im Sinne von durchdenken, aber auch im Sinne von ‘zu-viel-darüber-nachdenken’), und trotzdem war Violett sogar für meine Verhältnisse extrem. Vielleicht, weil ich den Aufbau und die Tiefe eines klassischen Märchens nachahmen wollte.

      Und ein Lob von einem ‘echten’ Farbenmenschen (einem Künstler) ist natürlich sehr viel Wert 🙂 Ich wünsche mir manchmal, ich hätte mehr Talent auf der Maler/Zeichner Ebene, aber das ist nun mal so. Aquarelle finde ich übrigens immer besonders schön; Hut ab vor deinem Talent in diesem Bereich!

      Aber als ‘Schreiber’ mag ich Farben auch sehr. Da fällt einem immer jede Menge ein. Es ist fast schade, dass ich derzeit an der letzten Farbgeschichte sitze (“Bunt”, der Bonusband).

      Danke nochmals und ganz liebe Grüsse,

      Stella

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      • Lass mich lieber Dir danken, für das Bukett an bereichernden Anregungen, für diese Offenheit über deine Motive. Da fühle ich mit, könnte ebenso über ‘Violett’ stundenlang nachdenken, schreiben, ja auch malen. Jetzt mache ich mich hier mal an dem Stichwort ‘Auf der Suche’ und ‘Wasser’ fest. Darf ich hierzu eine eigene Geschichte anfügen? Sollte sie nicht passen,kannst du sie einfach löschen.

        Die Geschichte ist selbst erfahren, getreu meinem Motto, dass ich mich entschied nicht Romane zu schreiben, sondern sie zu leben.

        * * *

        Prolog

        Und doch war ich stets der Meinung, daß nie jemand zur Kenntnis einer einzigen Menschenseele vordringen könne, und daß in jeden eine innere Landschaft verborgen sei, mit unbetretenen Ebenen, mit Schluchten des Schweigens, mit lastenden Bergen, mit geheimen Gärten, und daß du über diesen oder jenen ein ganzes Leben lang sprechen kannst, ohne zu ermüden…

        (Antoine S. Exupéry, Citadelle)

        Diese Zitat ließ mir keine Ruhe. Sehnsucht trieb mich auf die Suche. Nach was? Nach wem? Nach mir selbst?

        Delirium – oder die Ahnung von ‚geheimen Gärten‘?

        …… einmal, es ist mehr als zwanzig Jahre her. Seit Stunden wanderte ich zu Fuß abseits von festen Straßen, nur auf Esels- und Maultierpfaden durch den Peloponnes. Es ging in glühender Hitze elend lang, Macchia- bewachsene felsige Vorgebirge die ins Meer hinaussprangen, auf und ab…mal dreihundert Höhenmeter hinauf, dann wieder hinunter ans Meer, wieder 500 m hinauf…wieder halb hinab…es nahm kein Ende. Kyparissia, mein Ziel, war weit und breit nicht in Sicht.

        Mein Hemd war von Dornen zerrissen, den festen Schweizer Bergschuhen aus Militärrindleder klafften die Sohlen weg, so messerscharf war der ausgewaschene Kalkfels und die Disteln und dornige Macchia-Sträucher ritzten meine Hosenbeine. Ich war hundemüde und hatte Durst, meinen Wasservorrat hatte ich längst getrunken. Plötzlich, hinter einer Wegbiegung, tauchte ein altes Haus auf. Ein alter Mann saß auf einem Haufen grauer Säcke mit Johannisbrot, er war kaum von diesen Säcken zu unterscheiden.

        Ich bat ihn um ‘Nero’ (Wasser). Er lief ins Haus und kam aber mit einer Handvoll Nüsse heraus, die er mir in die Hände schüttete. ‘Efcharisto, alla ine karidhia, …parakalo felo ligo nero…‘ (… ‚danke für die Nüsse, aber ich bitte Sie um ein wenig Wasser‘ …..) stammelte ich in klarem Griechisch. – kein Zweifel, bisher konnte ich mich immer verständlich machen. Er schaute mich prüfend und fragend an, dann zuckte er die Schulter und nickte solange mit dem Kopf in eine Richtung, bis ich weiter wankte. Einige hundert Meter weiter entdeckte ich dann eine Zisterne. Ich öffnete den verrosteten Deckel, sah tief unten das Wasser schimmern. Aber das Seil hing lose ohne Eimer da, mit dem ich Wasser aus der Tiefe hätte schöpfen können. Verzweifelt legte ich mich auf den Boden, von Halluzinationen geplagt. Ich ließ eine kleine Mandel, die ich gerade geschenkt bekommen hatte, in die Tiefe fallen. Es machte ein Geräusch das ich nie vergessen werde, es war wie ein Engelston, der mit dem ‘Plitsch’ zu mir nach oben drang.

        Ich verfiel in eine Art Delirium und sah Farben die ich noch nie gesehen. empfand Lustgefühle, Herzensschauer wie noch nie empfunden, hörte Stimmen wie noch nie gehört! Hatte wilde Träume von Nymphen, die mich umtanzten und mich aus ihren nackten Brüsten mit klarem Wasser tränkten. Ich war kurz davor, mich selber in die Tiefe des Brunnens zu stürzen … Wie lange ich dort auf der Erde in einem euphorischen Rausch lag, weiß ich nicht mehr. Ein Hirte, der seinen Muli tränken wollte, rüttelte mich zurück in die Realität.

        Er hatte einen Eimer dabei um sein Tier zu tränken und er gab auch mir Wasser.

        Was war geschehen? Hatte ich die Ahnung von einem geheimen Garten wenigstens für Augenblicke entdecken dürfen?

        * * * * *

        Like

  2. Liebe Stella,
    ich finde deine Beschreibung wirklich sehr beeindruckend. Du hast dir so viele Gedanken zu Etienne und Morgan gemacht, dass sie mich garantiert überzeugen werden. Genau so, wie mich schon rot, weiß und gelb überzeugt haben. (Grün liegt unausgepackt bei mir und wartet darauf, gelesen zu werden). Wenn man deinen Beitrag liest, kann man gar nicht glauben, dass diese komplexen Überlegungen auf 11 Seiten passen! Respekt! Für alles. Der Kampf hat sich gelohnt. Und das meine ich aus tiefstem Herzen. Die Meisten schaffen es ja nicht mal, ein paar Minuten über ihre Texte nachzudenken.

    Sehr gelungen finde ich, dass auch Rot und Blau eine tragende Rolle spielen und diese als Kombination Violett ergeben, sodass sich alles fügt. Wirklich, ich bin ein Fan von jedem Wort, das du schreibst.
    Übrigens musste ich sofort an Morgan Freeman denken, sodass ich wohl ein männliches Bild im Kopf gehabt hätte. Irgendwie kommt es mir auch so vor, als habe Etiennes Freund eine ähnliche Ausstrahlung wie dieser Schauspieler. Ruhig, durchdacht, aber auch kritisch.

    +Mika+

    Liked by 1 person

    • Danke ❤

      Und das meine ich sehr ernst. Du warst es ja, die mir bei diesem Kampf immer wieder Mut gemacht hat.

      Manchmal habe ich ja das Gefühl, dass ich eher zu viel nachdenke (und dann gar nicht alles unterbringe; oder Details drin habe, die eh niemanden interessieren).

      Oh, ich denke, die Interpretation von Morgan als männlich oder weiblich hängt bei den meisten Lesern davon ab, welche Person sie mit diesem Namen verbinden. Neben Morgan Freeman gäbe es da noch ganz klassische Morgan le Fey aus der Artussage – und das ist eine Frau (übrigens auch eine starke weibliche Figur und Antagonistin – wie Amanda 😉 ).

      Danke nochmals für deinen lieben Kommentar! ❤

      Liked by 1 person

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