Station Märchensommer 2020

Hinweis: Dies ist eine Station der Märchensommer Märchenrallye von PoiSonPaiNter, den Anfang dieser Runde findet ihr hier.

(Unbedingt nachlesen, wenn ihr nicht wisst, was die Märchensommer Rallye ist … ihr verpasst was.)

Ich freue mich total, dass ich dieses Jahr wieder dabei sei darf. Märchen liebe ich nämlich seit meiner Kindheit, vor allem, seit ich eine alte, zweibändige, stoffbezogene Ausgabe von “Grimms Märchen” bekommen habe, die vorher meinem Vater gehört hat und die mir zum ersten Mal die ‘dunkleren’ Facetten der bekannten – und unbekannteren – Geschichten nahebrachte. An Märchen liebe ich vor allem die tiefere Botschaft, die sich hinter dem Offensichtlichen verbirgt; etwas, das seinen Weg auch in meine eigenen Geschichten gefunden hat.

Doch bevor wir dazu kommen, darf ich euch den Lösungsbuchstaben präsentieren, der euch hierher geführt hat. Es ist das T – wie Teegebäck. (Nehmt euch ruhig ein Keks – der Weg durch den Märchenwald macht sicher hungrig…)

Und wie geht es weiter?

Hier entlang. Folgt mir einfach unauffällig 😉


Als sie gerade die erste Feder in die Luft werfen wollte, hielt Ralf sie mit einer Hand auf ihrer zurück.
„Du hast den Haken vergessen“, begründete er. „Für die alte Erlösung musstest du ihm vergeben, für die neue braucht er Einsicht.“
„Und das heißt was?“ So langsam hatte Regina die Nase voll von kryptischen Anweisungen und sehnte sich nach den klaren Strukturen auf der Arbeit.
„Das heißt, dass du auf der Suche nicht schweigen darfst. Du musst ihm sagen, was dich verletzt hat, damit er begreift. Danach liegt es an ihm den Fluch zu durchbrechen.“
Regina starrte ihn mit weit aufgerissenen Augen und offenem Mund an. Diese Dinge hatte sie zum Teil nicht mal Becky erzählt, wie sollte sie sie gerade Wolf erzählen?
„Das ist seine einzige Chance wieder menschlich zu werden.“ Bei diesen Worten sah Rolf nicht Regina an, sondern betrachtete eindringlich den Schwan, der sich im Korb zusammengekauert hatte.
Regina seufzte und warf die erste Feder in die Luft. „Na dann wollen wir mal.“ Die Feder schwebte für einen Moment, dann zeigte sie zurück in den Wald, bevor sie sich langsam wankend in diese Richtung bewegte.
„Alles Gute“, verabschiedete sich Rumpelstilzchen, „und grüß mir die Holle.“
„Danke, mach ich.“ Regina konnte sich ein Schnauben nicht verkneifen. Das war alles viel zu absurd.

Sie waren wieder ein gutes Stück in den Wald hineingeradelt, als die Feder über einem Beerenstrauch schweben blieb, bevor sie zwischen den Blättern landete.
„Das ist dann offensichtlich wohl die erste Zutat“, kommentierte Regina und stieg vom Fahrrad ab.
Sie pflückte eine Handvoll Beeren. Noch hatte sie nichts gesagt, aber sie würde damit anfangen müssen, sonst hatte Wolf gar keine Chance sich zurück zu verwandeln. Und es war alles ihre Schuld. Die Zutat in der Hand drehte sie sich zurück zum Fahrrad, nur um festzustellen, dass sie außer dem bereits vollen Korb keine Transportmöglichkeit hatte.
„Okay, dann eben so“, beschloss sie und wollte die Beeren zu Wolf legen, der jedoch zischte und nach ihr hakte, sodass sie zu Boden fielen. Für einen Moment starrte sie die kleinen blauen Kügelchen an, dann auf den fauchenden Schwan.
„Geht’s noch?“, fragte sie total perplex. „Ich versuche dir zu helfen und das ist dein Dank?“
Wieder fauchte Wolf nur und flatterte mit den Flügeln. Regina versuchte sich zu beruhigen, doch damit war auch bei ihrer Geduld das Ende erreicht. „Weißt du was? Es tut mir nicht Leid! Es ist nicht meine Schuld, dass du in dieser Situation steckst!“, fuhr sie ihn an, einen Finger auf ihn zeigend, die andere Hand geballt, erntete aber nur ein weiteres Fauchen. „Du brauchst gar nicht zu protestieren, du warst derjenige, der mich zum Ball eingeladen hat, um mich bloßzustellen! Du warst derjenige, der anstatt mir zu sagen, dass unsere Freundschaft beendet ist, mich immer weiter hingehalten und mich hat glauben lassen, dass da mehr zwischen uns hätte sein können bis du mich vor deinen neuen Freunden runtergemacht hast! Du bist das Arschloch, dass dafür gesorgt hat, dass ich jede Freundschaft, jede nette Geste hinterfrage!“ Regina japste nach Luft, aber es tat gut, es endlich gesagt zu haben.
„Und jetzt rutsch Beiseite und wehe du isst eine davon!“, beendete sie ihren Ausbruch und stopfte die hastig aufgesammelten Beeren in den Korb.


Märchen: Die sechs Schwäne

Nun aber zu der Frage, die euch zur nächsten Station, und damit zum nächsten Buchstaben bringt.

Aus welchem Material sind die Hemden, die die Schwester für ihre Brüder in Die Sechs Schwäne anfertigen muss?

a)    Löwenzahn
b)    Brennnesseln
c)    Sternblumen

Schön, dass ihr da wart! Viel Glück auf eurem weiteren Weg durch den Märchenwald – und passt gut auf euch auf!


Bilder: poisonpainter;